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„Stress bezeichnet zum einen durch spezifische äußere Reize (Stressoren) hervorgerufene psychische und physische Reaktionen bei Lebewesen, die zur Bewältigung besonderer Anforderungen befähigen, und zum anderen die dadurch entstehende körperliche und geistige Belastung.“ Quelle: Wikipedia

Aus Sicht des Körpers ist Stress die natürliche, biochemische Reaktion auf akute Bedrohungen, negative (und teilweise auch positive) Ereignisse und besondere Belastungen. Die dadurch hervorgerufenen „Überlebens-Energien“ werden im Körper spürbar und äußern sich u. a. durch erhöhten Pulsschlag, Erregung, Wärme, die durch die Mehrdurchblutung der Muskulatur entsteht und die Fähigkeit, dadurch in Verteidigung (Kampf) oder Flucht zu gehen. Dem gegenüber steht die Erstarrungsreaktion, die mit dem Gefühl von Taubheit, Bewegungslosigkeit und Dissoziation – also der Trennung von dem bewussten Empfinden unseres Körpers – einhergeht. 

Die Stress-Reaktion sichert seit Urzeiten das Überleben des Organismus von Menschen und Tieren. Dieser Ablauf funktioniert automatisch, entzieht sich also unserem Bewusstsein. Die beteiligten Kräfte sind das autonome Nervensystem, mit seinen Ästen Sympathikus und Parasympathikus, die Nebennieren und der älteste Teil unseres Gehirns – das Reptiliengehirn. In meinem Blog-Artikel Stress und das autonome Nervensystem erfährst du mehr zu den Ästen und ihren Aufgaben. 

Wie die Stressantwort verläuft

Vereinfacht ausgedrückt: Durch die Sinneswahrnehmung von realer (UND real empfundener) Gefahr, kommt es zur Ausschüttung der Stress Hormone Adrenalin und Cortisol an der Nebennierenrinde. Diese Kaskade beeinflusst zahlreiche Körperfunktionen und aktiviert den Organismus als ganzes, damit er sich erfolgreich zur wehr setzen kann.

Du kannst dir den Ablauf vorstellen, wie den Verlauf einer Sinuswelle, bei der es einen Anstieg (Reaktion auf Stressor) gibt – der Körper reagiert mit dem Kampf oder Flucht Modus, solange die Gefahr andauert. Mit dem Höhepunkt der Kurve endet auch die Stressantwort und die Kurve kehrt zurück zum Ruhepunkt. Was wir wollen ist ein kontinuierlicher Fluss, ein gleichmäßiges Auf und Ab, im Körper und im Nervensystem. 

In Zeiten der Jäger und Sammler war die automatische Antwort auf Stress sehr nützlich und angemessen, wurde man z. B. von einem Bären angegriffen. Im Unterschied zu damals, kehrt die Stress-Kurve jedoch oft nicht mehr zu ihrem Ausgangspunkt zurück. In der heutigen Zeit sind unsere Bedürfnisse viel komplexer geworden und mit der Entwicklung unserer höheren Hirnzentren kam die Fähigkeit hinzu, uns in Stress zu DENKEN. Unser Körper antwortet allerdings nach wie vor in der gleichen Weise auf Stress, wie früher. 

Stress ist grundsätzlich nichts negatives.

Zur Gefahr für unsere Gesundheit wird er erst durch die Unfähigkeit aus der natürlichen Stressreaktion wieder in die Ruhephase einzutreten und/oder wenn die individuelle Toleranzgrenze für Stress überschritten ist (d. h. zu viele Stressoren über einen längeren Zeitraum oder auf einmal). Es entstehen Chaos und Dysregulation des Nervensystems mit zahlreichen, systemischen Folgen. 

Hier kommen unser Körpergewahrsein und unsere Ressourcen ins Spiel. Denn: Stress ist nicht gleich Stress

Die Art und Weise, wie wir aufgewachsen sind und wie wir Sicherheit in unserem näheren Umfeld und im Umgang mit unseren Bezugspersonen erlebt haben, spielt eine wichtige Rolle bei der Entwicklung unserer Widerstandsfähigkeit gegen äußere Einflüsse (Resilienz). In einem der nächsten Blogs gehe ich näher auf dieses Thema ein.

Von Herzen, Michaela

Remember to always mind your soul and body.